Kann ChatGPT dein Marketing schreiben? Wo es hilft und wo es dich austauschbar macht
ChatGPT liefert dir in Sekunden einen fertigen Marketingtext. Die spannendere Frage ist, was dieser Text mit deiner Sichtbarkeit macht, bei Lesern ebenso wie in KI-Antworten.
In meinen Beratungsgesprächen taucht seit rund zwei Jahren eine Frage fast immer auf: «Kann ich meine Texte nicht einfach von ChatGPT schreiben lassen?» Wer sie stellt, meint das selten bequem. Dahinter steht meist eine Coaching-Praxis oder eine kleine Akademie, in der die Zeit fürs Marketing schlicht fehlt. Die Frage ist also berechtigt und sie ist weit verbreitet: Allein in der Schweiz wird «kann ChatGPT SEO-Text schreiben» monatlich über 7000 Mal gesucht. Meine Antwort fällt in zwei Teilen aus. ChatGPT ist ein erstaunlich gutes Werkzeug, solange du es als Werkzeug behandelst. Schwierig wird es in dem Moment, in dem du ihm auch das Denken überlässt.
Wo ChatGPT dir wirklich hilft
Fangen wir mit der guten Nachricht an. Es gibt Aufgaben, bei denen ChatGPT dir Stunden spart und dabei kaum etwas kaputt machen kann. Beim Strukturieren zum Beispiel: Du kippst deine losen Gedanken hinein und bekommst eine Gliederung zurück, die du prüfen und anpassen kannst. Beim Recherche-Start funktioniert es ähnlich gut. Das Modell verschafft dir in wenigen Minuten einen Überblick über ein Themenfeld, über gängige Einwände deiner Zielgruppe oder über Fragen, die rund um dein Angebot immer wieder gestellt werden. Prüfen musst du diese Ergebnisse trotzdem, als Startpunkt sind sie wertvoll.
Auch bei Varianten spielt das Werkzeug seine Stärke aus. Zehn Vorschläge für eine Betreffzeile, drei Tonlagen für denselben Absatz, eine kürzere Fassung deines Newsletters: solche Aufgaben erledigt ChatGPT schneller als jeder Mensch. Dasselbe gilt fürs Verdichten langer Notizen, fürs Glätten sperriger Sätze und für ein erstes Feedback, wenn gerade niemand zum Gegenlesen Zeit hat.
Wo die ehrlichen Grenzen liegen
Jetzt zu dem Teil, den dir Werbevideos für KI-Tools selten erzählen. ChatGPT kennt deine Kundinnen nicht. Es war in keinem deiner Gespräche dabei, es hat keine deiner Fragen gehört und es weiss nicht, welcher Satz bei deinem letzten Workshop die Runde zum Nicken gebracht hat. Genau aus diesem Material entsteht aber Marketing, das trägt.
Dazu kommt ein strukturelles Problem. Sprachmodelle erzeugen den wahrscheinlichsten Text, gerechnet über Millionen von Quellen. Das Ergebnis klingt flüssig und plausibel, bleibt aber der Durchschnitt dessen, was schon geschrieben wurde. Erfahrungen aus deiner Praxis, Zahlen aus echten Projekten, eine Haltung, die auch einmal aneckt: all das kann ein Modell nur simulieren. Beim Simulieren merkt man es ihm früher oder später an.
Warum generische KI-Texte dich austauschbar machen
Hier liegt das eigentliche Risiko. Wenn du ChatGPT bittest, «einen Blogartikel über Selbstfürsorge für Führungskräfte» zu schreiben, bekommst du einen soliden Text. Deine Mitbewerberin stellt dieselbe Anfrage und bekommt fast denselben Text. Beide Artikel sind korrekt, beide sind freundlich formuliert und beide könnten von jeder beliebigen Website stammen. Lesende spüren das schneller, als uns lieb ist. Sie können oft nicht benennen, warum ein Text sie kalt lässt, aber sie klicken weg.
Für dich als Coach oder Beraterin ist das besonders heikel, weil deine Arbeit von Vertrauen lebt. Menschen buchen dich für deine Sichtweise und für deine Art, Dinge einzuordnen. Ein Text, der nach allen klingt, überzeugt niemanden davon, ausgerechnet mit dir zu arbeiten.
Der doppelte Verlust: bei Menschen und in KI-Antworten
Es gibt noch eine zweite Ebene, die viele übersehen. Immer mehr deiner künftigen Kundinnen fragen ChatGPT, Claude oder Perplexity direkt um Rat, statt zu googeln. Was es braucht, damit deine Website in solchen Antworten auftaucht, habe ich im Beitrag über Generative Engine Optimization beschrieben. Für heute reicht ein Punkt daraus: Wenn KI-Systeme Quellen zitieren, bevorzugen sie Inhalte mit Substanz, mit einer erkennbaren Perspektive und mit konkreten Belegen. Wie du genau solche Inhalte formulierst, findest du im Artikel über zitierfähiges Schreiben für KI.
Die Ironie dahinter ist kaum zu übersehen. Ausgerechnet die Systeme, die generische Texte am Fliessband produzieren können, zitieren solche Texte ungern. Ein Durchschnittstext bietet ihnen nichts, was nicht schon tausendfach vorliegt. Wer nur generisch produziert, verliert deshalb doppelt, zuerst bei den Menschen, die den Text lesen, danach bei den Maschinen, die entscheiden, ob er jemals empfohlen wird.
So kombinierst du beides sinnvoll
Der Weg, den ich mit meinen Kundinnen gehe, sieht ungefähr so aus. Am Anfang steht immer dein eigenes Material: eine Erfahrung aus der Praxis, eine Frage aus einem echten Gespräch, eine Beobachtung, die dir wichtig ist. Das sprichst du als Sprachnotiz ein oder tippst es unsortiert herunter. Erst danach kommt ChatGPT ins Spiel, als Sparringspartner für die Struktur, als Lieferant für Formulierungsvarianten und als Kürzungshilfe für alles, was zu lang geraten ist.
Vor der Veröffentlichung drehst du die Rollen noch einmal um und prüfst selbst: Stimmt jede Aussage? Steht mindestens eine Erfahrung drin, die nur du machen konntest? Würdest du diese Sätze in einem Gespräch genau so sagen? Wenn du dreimal Ja antworten kannst, ist aus einem KI-Entwurf dein Text geworden. Auf welcher Website dieser Text dann steht, spielt übrigens eine grössere Rolle, als viele denken. Falls deine Seite dieses Fundament noch nicht bietet, schauen wir uns das im Rahmen von Website und Struktur gemeinsam an.
Was das für deine Sichtbarkeit bedeutet
Meine ehrliche Einschätzung nach zwei Jahren intensiver Arbeit mit diesen Werkzeugen: ChatGPT macht gutes Marketing schneller und schwaches Marketing lauter. Ob du in den nächsten Jahren sichtbarer wirst oder in der grauen Masse gleichklingender Texte verschwindest, hängt davon ab, welchen dieser beiden Wege du wählst. Deine Perspektive, deine Beispiele und deine Haltung bleiben der Teil, den dir niemand abnehmen kann. Das Werkzeug übernimmt den Rest und genau in dieser Reihenfolge entsteht Marketing, das dich unterscheidbar macht.
Falls du wissen möchtest, wie sichtbar deine Website heute in KI-Antworten ist, habe ich etwas für dich. Der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check zeigt dir, ob ChatGPT und Co. dich bereits kennen und wo du im Moment stehst. Von dort aus lässt sich in Ruhe entscheiden, was als Nächstes dran ist.
