Positionierung für Coaches: warum eine klare Position dich auch für die KI sichtbar macht
Eine klare Positionierung macht dich für Menschen greifbar und genau das macht dich für KI-Systeme einordenbar und empfehlbar.
Vor kurzem sass ich mit einer Beraterin zusammen, die mir stolz ihre neue Website zeigte. Auf der Startseite stand: Coaching, Beratung, Training, Workshops, Teamentwicklung. Ich fragte sie, für wen genau sie da sei. Sie überlegte lange und antwortete dann vorsichtig, eigentlich für alle, die weiterkommen wollen. Genau in diesem Moment wurde mir wieder bewusst, warum so viele gute Coaches und Berater im deutschsprachigen Raum unsichtbar bleiben, obwohl ihre Arbeit ausgezeichnet ist. Wer für alle spricht, erreicht in Wahrheit fast niemanden richtig. Das gilt für Menschen, die eine Website lesen und sich in wenigen Sekunden entscheiden, ob sie bleiben. Es gilt inzwischen genauso für die KI-Systeme, die täglich Millionen Empfehlungen aussprechen, wenn Menschen nach einem Coach oder einer Beraterin suchen.
Warum Unschärfe dich unsichtbar macht
Viele Coaches scheuen sich vor einer klaren Positionierung, weil sie befürchten, dadurch Türen zu verschliessen. Diese Sorge ist verständlich, führt aber in die falsche Richtung. Ein Angebot, das alles ein bisschen abdeckt, verschwindet in der Masse ähnlicher Angebote. Interessenten können den Unterschied zu zehn anderen Profilen nicht erkennen und ziehen weiter, bevor sie überhaupt gemerkt haben, wie gut du eigentlich bist. Unschärfe kostet dich also nicht nur Anfragen. Sie kostet dich auch die richtigen Anfragen, weil sich niemand besonders angesprochen fühlt, wenn eine Botschaft für alle gedacht ist.
Diese Dynamik verstärkt sich, sobald man eine Ebene tiefer blickt. Menschen suchen selten nach einem allgemeinen Coach. Sie suchen nach jemandem, der ihre spezifische Situation schon oft gesehen hat: Führungskräfte im Umbruch, Selbstständige kurz vor dem Ausbrennen, Teams in einem Konflikt, der seit Monaten schwelt. Wer sich an genau diese Situation richtet, wird für die betroffenen Menschen sofort erkennbar. Wer stattdessen von Persönlichkeitsentwicklung im Allgemeinen spricht, bleibt austauschbar, auch wenn die eigentliche Arbeit tief und wirksam ist.
Die Beraterin aus der Einleitung war überzeugt, dass eine breite Aufstellung sie vor leeren Auftragsbüchern schütze. In Wirklichkeit passierte das Gegenteil. Ihre Website beantwortete keine einzige konkrete Frage richtig gut, weil sie versuchte, gleichzeitig fünf Fragen zu beantworten. Anfragen kamen selten und wenn doch, passten sie kaum zu ihrer eigentlichen Stärke. Erst als sie sich auf Teamentwicklung in KMU-Betrieben festlegte, begannen die richtigen Menschen sie zu finden. Ihre Auftragslage veränderte sich spürbar, obwohl ihr Angebot auf dem Papier kleiner geworden war.
Was eine klare Positionierung wirklich ausmacht
Eine tragfähige Positionierung besteht aus drei Elementen, die zusammen ein Profil ergeben. Erstens eine bestimmte Gruppe von Menschen, die du besonders gut verstehst. Zweitens ein bestimmtes Problem, das diese Menschen beschäftigt und für das sie aktiv nach Lösungen suchen. Drittens eine erkennbare Art, wie du an dieses Problem herangehst, also deine Methode, deine Haltung oder dein Rahmen. Erst wenn alle drei Elemente zusammenkommen, entsteht ein Profil, das sich in einem einzigen Satz beschreiben lässt. Genau dieser eine Satz ist es, den Interessenten und KI-Systeme gleichermassen suchen, wenn sie versuchen, dich einzuordnen.
Diese Klarheit beginnt selten mit einer neuen Formulierung für die Website. Sie beginnt mit einem ehrlichen Blick auf deine bisherige Arbeit. Bei welchen Kunden warst du am wirkungsvollsten? Welches Muster taucht in deinen erfolgreichsten Fällen immer wieder auf? Wer das aufschreibt, findet fast immer schon eine Positionierung, die längst gelebt wird, nur noch nicht ausgesprochen ist. Wie du diese Klarheit auch nach aussen konsequent durchziehst, beschreibe ich ausführlicher im Beitrag über Personal Branding für Berater.
Der Twist: warum KI-Systeme klare Positionen brauchen
Hier kommt der Teil, der die Sache heute noch dringlicher macht als noch vor wenigen Jahren. Wenn jemand ChatGPT oder Claude fragt, wer bei einem bestimmten Anliegen weiterhelfen könnte, sucht das System nach Inhalten, die sich einem Thema eindeutig zuordnen lassen. KI-Systeme arbeiten mit Mustern und Zuordnungen. Eine Website, die zu einem klaren Thema immer wieder dieselbe Position einnimmt, wird von diesen Systemen leichter erkannt und häufiger als Antwort vorgeschlagen. Eine Website, die zwischen zehn Themen springt, liefert kein klares Muster und bleibt darum auch für die KI ein Fragezeichen.
Das ist der eigentliche Twist an der Sache: Positionierung war schon immer wichtig, weil Menschen Klarheit brauchen, um sich zu entscheiden. Heute ist Positionierung zusätzlich die Grundlage dafür, ob dich eine Maschine überhaupt versteht, bevor sie dich empfiehlt. Was das genau bedeutet und wie diese neue Form der Sichtbarkeit funktioniert, erkläre ich ausführlich im Beitrag Was ist GEO. Für dich als Coach oder Beraterin heisst das vor allem eines: Die Zeit, die du in eine klare Positionierung investierst, zahlt gleich doppelt ein. Bei Menschen und bei den Systemen, über die immer mehr Menschen ihre erste Empfehlung erhalten.
Wo deine Positionierung sichtbar werden muss
Positionierung, die nur in deinem Kopf existiert, hilft niemandem. Sie muss an den Stellen sichtbar werden, an denen Menschen und KI-Systeme deine Website tatsächlich lesen. Am wichtigsten ist deine Startseite, weil sie innert Sekunden zeigt, für wen du da bist. Fast ebenso wichtig ist deine Über-mich-Seite, denn dort entscheidet sich oft, ob aus Interesse Vertrauen wird. Wie diese Seite über eine Zusammenarbeit entscheiden kann, habe ich im Beitrag zur Über-mich-Seite beschrieben. Auch deine Leistungsseite sollte deine Positionierung tragen, statt eine allgemeine Liste von Angeboten aufzuzählen. Wer diese drei Seiten konsequent aus derselben klaren Position heraus schreibt, schafft ein Bild, das sowohl Menschen als auch Maschinen zuverlässig lesen können.
Auch deine Beiträge, Referenzen und Profile auf anderen Plattformen sollten dieselbe Sprache sprechen. Ein KI-System stützt seine Antwort selten auf eine einzige Seite. Es gleicht verschiedene Quellen ab und sucht nach einem wiederkehrenden Muster. Je öfter dieselbe Positionierung an verschiedenen Orten im Netz auftaucht, desto sicherer wird die Zuordnung. Widersprüchliche Botschaften auf verschiedenen Kanälen wirken dagegen wie Rauschen, das eine klare Einordnung erschwert, selbst wenn jede einzelne Seite für sich genommen gut geschrieben ist.
Der nächste Schritt
Eine klare Positionierung entsteht selten über Nacht und noch seltener allein am Schreibtisch. Sie braucht einen Blick von aussen, der erkennt, was dir aus der Nähe manchmal selbst nicht mehr auffällt. Wenn du wissen möchtest, wie klar deine Positionierung heute schon für Menschen und für KI-Systeme erkennbar ist, kannst du das mit dem KI-Check unverbindlich prüfen lassen. Er zeigt dir, wo du bereits gefunden wirst und wo deine Position noch schärfer werden darf.
