Platz eins bei Google, trotzdem unsichtbar für ChatGPT
Ein gutes Google-Ranking war lange die sichere Bank. Warum das für KI-Antworten kaum noch etwas heisst, und was stattdessen zählt.
Stell dir vor, du gibst deinen wichtigsten Suchbegriff bei Google ein und findest dich auf Platz eins. Ein gutes Gefühl, zu Recht, das war jahrelang harte Arbeit. Dann öffnest du ChatGPT, stellst dieselbe Frage in normaler Sprache, und dein Name kommt in der Antwort schlicht nicht vor. Kein Fehler, keine technische Panne, nur eine unbequeme Tatsache: Die beiden Systeme suchen nicht mehr nach denselben Kriterien. Genau das haben wir im letzten Beitrag über den Traffic-Rückgang durch KI-Zusammenfassungen schon aus einem anderen Blickwinkel angeschaut.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl schon aus eigener Erfahrung. Du prüfst dein Ranking regelmässig, es sieht solide aus, und trotzdem wirkt es, als würde dich niemand finden, der nicht ohnehin schon von dir wusste. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass hier zwei unterschiedliche Massstäbe angelegt werden, ein alter, vertrauter, und ein neuer, der sich gerade erst etabliert.
Zwei Systeme, zwei unterschiedliche Fragen
Google, in seiner klassischen Form, stellt sich vereinfacht eine Frage: Welche Seiten passen am besten zu diesem Suchbegriff, gemessen an unzähligen Signalen wie Relevanz, Autorität und Nutzerverhalten. Eine KI wie ChatGPT stellt eine andere Frage: Welche Bausteine ergeben zusammen die klarste, am wenigsten riskante Antwort auf das, was diese Person eigentlich wissen will. Das klingt ähnlich, führt aber zu spürbar unterschiedlichen Ergebnissen.
Eine grosse Analyse von Ahrefs mit über 860‘000 Suchbegriffen und rund vier Millionen von Google in KI-Zusammenfassungen zitierten Adressen zeigt das deutlich. Ende 2024 lag die Überlappung zwischen den klassischen Top-10-Ergebnissen und den tatsächlich in der KI-Zusammenfassung zitierten Quellen noch bei rund 76 Prozent. Anfang 2026, nach mehreren technischen Weiterentwicklungen auf Google-Seite, lag dieselbe Überlappung nur noch bei 17 bis 38 Prozent, je nach Auswertungszeitraum. Zu gut Deutsch: Ein Grossteil der Seiten, die eine KI-Antwort zitiert, taucht in der klassischen Trefferliste gar nicht auf den vorderen Plätzen auf, und umgekehrt schaffen es viele gut rankende Seiten nicht in die Zusammenfassung.
Diese Entwicklung innerhalb von nur gut einem Jahr zeigt, wie schnell sich die Spielregeln gerade verschieben. Wer sein Vorgehen noch an den Zahlen von vor zwei Jahren ausrichtet, arbeitet mit einer Landkarte, die sich unter der eigenen Hand verändert hat. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund, die eigenen Annahmen ab und zu neu zu prüfen, statt sich auf einen einmal festgestellten Zustand zu verlassen.
Warum das kein Zufall, sondern System ist
Der Grund dafür liegt darin, wie KI-Systeme eine Frage verarbeiten. Statt eine einzige Rangliste zu erstellen, zerlegen viele Modelle eine komplexe Frage in mehrere Teilfragen, in der Fachsprache Query Fan-out genannt. Aus «Wer hilft mir bei der Positionierung als Coach» werden im Hintergrund mehrere kleinere Suchen: nach dem Thema Positionierung allgemein, nach konkreten Anbietern, nach Erfahrungsberichten, vielleicht nach der Region. Für jede dieser Teilfragen sucht das System einzeln nach der passendsten, klarsten Quelle.
Eine Seite, die bei Google gut rankt, weil sie insgesamt viele Signale bedient, muss deshalb noch lange nicht die eindeutigste Antwort auf eine einzelne dieser Teilfragen liefern. Und genau diese Eindeutigkeit ist es, wonach eine KI sucht. Sie bevorzugt die Quelle mit dem geringsten Risiko, missverstanden zu werden, nicht zwingend die mit der höchsten Gesamtautorität.
Man kann sich das wie eine Jury vorstellen, die nicht eine, sondern mehrere kleine Fragen gleichzeitig beurteilt, und für jede Frage einzeln entscheidet, wer die beste Antwort liefert. Eine Website, die bei der Gesamtbewertung vorne liegt, kann bei einzelnen dieser Teilfragen trotzdem durchfallen, wenn sie dort keine klare, eigenständige Antwort bereithält. Umgekehrt kann eine kleinere Seite, die genau eine dieser Teilfragen hervorragend beantwortet, für genau diesen Ausschnitt den Zuschlag bekommen, selbst wenn sie insgesamt viel weniger Autorität hat als der grosse Google-Spitzenreiter.
Sichtbarkeit ist kein fester Zustand mehr
Noch ein Unterschied, der es in sich hat: Ein gutes Google-Ranking ist, einmal erreicht, relativ stabil. Es schwankt, aber in überschaubaren Bahnen, und du siehst die Bewegung in deinen gewohnten Tools. Bei KI-Empfehlungen sieht das anders aus. Eine Untersuchung von SparkToro mit knapp 3000 Anfragen über verschiedene KI-Systeme hinweg kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Bei identischem oder fast identischem Wortlaut lieferte dieselbe Anfrage in weniger als einem Prozent der Fälle exakt dieselbe Liste an Empfehlungen. Die Antworten variieren spürbar, selbst innerhalb kurzer Zeit.
Auch die Sichtbarkeit von KI-Zusammenfassungen selbst schwankt stärker, als man annehmen würde. Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil der Google-Suchen mit einer sichtbaren KI-Zusammenfassung von rund 6,5 Prozent auf einen Höchststand von fast 25 Prozent, um danach wieder auf unter 16 Prozent zu sinken. Das zeigt: Selbst die grossen Anbieter experimentieren noch spürbar mit ihren eigenen Systemen. Wer glaubt, einmal einen festen Platz erobert zu haben, unterschätzt, wie beweglich dieses Feld gerade ist.
Was das für dich als Coach oder Beraterin bedeutet
Ich verstehe, wenn sich das erstmal wie eine weitere Baustelle anfühlt, zusätzlich zu allem, was du für dein Google-Ranking schon investiert hast. Die gute Nachricht dabei: Die Arbeit, die du bisher gemacht hast, war nicht umsonst. Klare Inhalte, echte Substanz, eine saubere Struktur, all das bleibt die Grundlage, auf der auch KI-Sichtbarkeit aufbaut. Was sich ändert, ist, dass ein gutes Ranking allein nicht mehr automatisch zur Empfehlung führt.
Konkret heisst das: Es lohnt sich, deine wichtigsten Inhalte nicht nur auf ein gutes Gesamtranking hin zu optimieren, sondern jede einzelne Seite so zu gestalten, dass sie für sich allein eine klare, eigenständige Antwort auf eine konkrete Frage gibt. Statt einer Seite, die alles über dein Angebot in einem grossen Fliesstext erklärt, hilft es mehr, einzelne, klar abgegrenzte Antworten auf die Fragen zu liefern, die Menschen wirklich stellen, wenn sie jemanden wie dich suchen.
Ein Beispiel macht das greifbarer. Zwei Beraterinnen ranken bei Google fast gleich gut für «Positionierung für Coaches». Die eine hat eine einzige, lange Seite, die ihr gesamtes Angebot beschreibt, Methode, Werdegang, Preise, alles vermischt in einem durchlaufenden Text. Die andere hat mehrere kürzere Seiten, jede mit einer eigenen, klar benannten Frage als Überschrift, etwa «Wie finde ich meine Positionierung als Coach» oder «Was unterscheidet Positionierung von einer Nische». Stellt jemand eine dieser konkreten Fragen bei einer KI, hat die zweite Beraterin die deutlich grössere Chance, mit einer präzise passenden Antwort zitiert zu werden, obwohl beide bei Google fast identisch dastehen.
Und weil KI-Empfehlungen so instabil sind, lohnt sich auch der Blick über die eigene Website hinaus. Was über dich auf Bewertungsplattformen, in Branchenverzeichnissen oder in Erwähnungen durch andere steht, fliesst ebenfalls in das ein, was eine KI über dich weiss. Je konsistenter dieses Bild an mehreren Stellen ist, desto eher wirst du zur risikoarmen, also zur wahrscheinlichen Wahl, auch wenn sich die konkrete Formulierung der Anfrage von Mal zu Mal unterscheidet.
Wo sich dieser Blick nach aussen konkret lohnt
Die eigene Website ist nur eine von mehreren Stellen, an denen eine KI etwas über dich lernt. Es lohnt sich, ab und zu bewusst zu prüfen, ob dein Bild an diesen Orten stimmig ist:
- Bewertungsplattformen wie ProvenExpert oder Google-Rezensionen, weil sie unabhängige, glaubwürdige Signale liefern.
- Branchenverzeichnisse und Fachportale, auf denen dein Angebot beschrieben wird, mit demselben Namen und derselben Positionierung wie auf deiner eigenen Seite.
- Interviews, Gastbeiträge oder Erwähnungen durch andere, die zeigen, dass auch Dritte dich mit einem bestimmten Thema in Verbindung bringen.
- Dein eigenes Profil auf LinkedIn oder vergleichbaren Plattformen, weil es oft eine der aktuellsten, am häufigsten aktualisierten Quellen über dich ist.
Es geht dabei nicht darum, überall gleichzeitig präsent zu sein. Wichtiger ist, dass die Stellen, an denen du vorkommst, sich nicht widersprechen. Drei, vier stimmige Quellen wirken auf eine KI überzeugender als zehn Erwähnungen, die alle ein etwas anderes Bild von dir zeichnen.
Ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält
Immer wieder höre ich den Satz: «Ich habe doch schon eine gute Website, das reicht.» Das war lange richtig, und ein Teil davon stimmt weiterhin: Ohne eine gute Website geht gar nichts, sie bleibt die Basis. Neu ist, dass diese Basis allein nicht mehr automatisch dafür sorgt, dass eine KI dich bei genau der Frage nennt, die für dich am wichtigsten ist. Die Website ist die Werkstatt, in der du arbeitest. Die Sichtbarkeit in KI-Antworten entscheidet sich zusätzlich daran, wie klar und wie konsistent die Ergebnisse dieser Werkstatt nach aussen sichtbar werden, auf deiner eigenen Seite und darüber hinaus.
Wer das verinnerlicht, muss nicht mehr alles neu bauen. Es reicht, regelmässig zu prüfen, ob das, was du eigentlich sagen willst, auch wirklich so bei einer KI ankommt.
Ranking bleibt Fundament, ist aber nicht mehr das ganze Haus
Das Bild, das sich daraus ergibt, ist keines von Verlust, sondern eines von Ergänzung. Dein Google-Ranking bleibt ein wichtiger Baustein, unter anderem, weil viele der Grundlagen, die dorthin führen, auch für KI-Systeme relevant sind. Aber es ist nicht mehr das ganze Fundament. Wer heute wirklich sichtbar sein will, für Menschen und für die Systeme, über die sie zunehmend suchen, denkt in klaren, einzeln stehenden Antworten und in konsistenten Spuren über die eigene Website hinaus, statt allein in einer möglichst hohen Position auf einer Liste.
Wenn du herausfinden willst, wo genau diese Lücke bei dir liegt, mach den kostenlosen KI-Sichtbarkeits-Check. Er zeigt dir in wenigen Minuten, wie eine KI deine Website heute tatsächlich einordnet, unabhängig davon, wo du bei Google stehst.
