Zitiert, empfohlen, gefunden: warum Bewertungen und Erwähnungen deine Sichtbarkeit treiben
Eine grosse Auswertung legt nahe: Erwähnungen deiner Marke hängen stärker mit der Sichtbarkeit in KI-Antworten zusammen als klassische Backlinks. Was das für deine Bewertungen, Verzeichniseinträge und Interviews bedeutet, liest du hier.
Vor ein paar Wochen sass ich mit einer Beraterin zusammen, die seit über fünfzehn Jahren in ihrem Fach arbeitet. Sie hatte ChatGPT nach Empfehlungen in ihrem Bereich gefragt und ihren eigenen Namen nirgends gefunden. Stattdessen tauchte eine Kollegin auf, deren Website deutlich schwächer war als ihre. Auf den ersten Blick wirkte das ungerecht. Auf den zweiten Blick liess es sich erklären: Die Kollegin wurde an vielen Stellen im Netz erwähnt, in Verzeichnissen, in Interviews, in Bewertungen. Meine Kundin hatte eine schöne Website und sonst kaum Spuren im Netz hinterlassen.
Genau um diese Ebene geht es in diesem Beitrag: um die Sichtbarkeit, die ausserhalb deiner eigenen Website entsteht. Viele übersehen sie, weil sie sich weniger direkt steuern lässt als die eigene Startseite. Gleichzeitig wiegt sie heute schwerer denn je, bei Google genauso wie in den Antworten der KI.
Was eine grosse Auswertung nahelegt
Eine grosse Auswertung über rund 75‘000 Marken hat untersucht, welche Signale damit zusammenhängen, dass eine Marke in Googles KI-Übersichten auftaucht. Das Ergebnis hat viele in der Branche überrascht: Erwähnungen einer Marke im Web hingen mehr als dreimal so stark mit dem Auftauchen in diesen Übersichten zusammen wie klassische Backlinks. Die Korrelation lag bei 0,664 für Erwähnungen gegenüber 0,218 für Links.
An dieser Stelle gehört eine ehrliche Einordnung hin. Eine Korrelation ist kein bewiesener Hebel. Niemand kann dir versprechen, dass fünfzig neue Erwähnungen dich in die KI-Übersichten bringen. Vielleicht werden bekannte Marken schlicht öfter erwähnt und sind gleichzeitig aus ganz anderen Gründen sichtbarer. Die Richtung bleibt trotzdem bemerkenswert. Jahrelang galt der Backlink als härteste Währung der Sichtbarkeit. Heute deutet vieles darauf hin, dass das blosse Genanntwerden mindestens ebenso zählt. Falls dir der Begriff GEO noch wenig sagt: In einem eigenen Beitrag habe ich die Grundlagen beschrieben.
Woher die KI ihr Bild von dir bezieht
Systeme wie ChatGPT stützen sich stark auf externe Quellen. Sie lesen Wikipedia, Reddit, Branchenverzeichnisse, Bewertungsplattformen und Fachmedien. Deine eigene Website ist dabei eine Quelle unter vielen. Sie ist zugleich die Quelle, der ein Sprachmodell am wenigsten blind vertraut, denn auf der eigenen Seite schreibt man naturgemäss Gutes über sich selbst. Was andere über dich schreiben, wirkt für ein Modell dagegen wie eine unabhängige Bestätigung.
Damit verschiebt sich etwas Grundsätzliches: Was andere über dich sagen, wiegt heute schwerer als das, was du über dich selbst sagst. Dein Selbstbild kannst du jederzeit gestalten, dein Fremdbild musst du dir über die Zeit verdienen. Genau deshalb lohnt es sich, zitiert und als Quelle genannt zu werden, von Menschen ebenso wie von Maschinen.
Bewertungen: gebündelte Stimmen von aussen
Echte Bewertungen sind die zugänglichste Form dieser externen Ebene. Eine Google-Bewertung ist öffentlich, an deinen Namen gebunden und für Maschinen gut lesbar. Sie verbindet dein Angebot mit den Worten realer Menschen, oft in genau der Sprache, in der auch künftige Kundinnen suchen. Der naheliegendste Ort dafür ist dein Google-Unternehmensprofil, über das ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben habe. Plattformen wie ProvenExpert ergänzen das sinnvoll, gerade für Beraterinnen und Coaches, deren Arbeit sich schlecht in Sternchen für ein Produkt pressen lässt.
Wichtig ist mir die Betonung auf «echt». Gekaufte oder geschönte Bewertungen fallen früher oder später auf und beschädigen genau das Vertrauen, das du eigentlich aufbauen willst. Es reicht, wenn du zufriedene Kundinnen nach einem gelungenen Projekt freundlich um ein paar ehrliche Sätze bittest. Aus meiner Erfahrung sagen die meisten gerne zu. Sie haben schlicht nie daran gedacht, weil niemand sie je gefragt hat.
Erwähnungen: Verzeichnisse, Gastbeiträge und Gespräche
Neben Bewertungen zählt alles, was deinen Namen in einem fremden Kontext auftauchen lässt. Das kann ein Eintrag in einem seriösen Branchenverzeichnis sein, ein Gastbeitrag in einem Fachblog, ein Interview in einem Podcast oder ein Vortrag, der auf der Website der Veranstalterin dokumentiert ist. Keiner dieser Bausteine wirkt für sich allein spektakulär. Zusammen ergeben sie das, was eine Maschine als Beleg dafür liest, dass es dich wirklich gibt und dass dein Fachgebiet tatsächlich zu dir gehört.
Das Schöne daran: Diese Arbeit fühlt sich kaum nach Marketing an. Du führst Gespräche, teilst dein Wissen und pflegst Beziehungen in deinem Feld. Die Erwähnungen entstehen als Nebenprodukt davon, in einem Tempo, das zu dir passt.
Konsistenz: die stille Pflicht dahinter
Bei all dem gibt es eine Voraussetzung, die unspektakulär klingt und trotzdem über vieles entscheidet: Deine Angaben müssen überall übereinstimmen. Das betrifft deinen Namen, deinen Ort, dein Angebot, deine Berufsbezeichnung und sogar die Schreibweisen. Wenn du im einen Verzeichnis als Coach für Führungskräfte stehst, auf deiner Website als Organisationsberaterin und bei Google mit einer veralteten Adresse, dann entsteht für eine Maschine kein klares Bild. Sie findet drei Versionen von dir und kann sich auf keine davon verlassen.
Ich empfehle dafür eine einfache Übung: Google dich selbst, frag die grossen KI-Systeme nach dir und notiere alle Orte, an denen du auftauchst. Danach bringst du die Angaben Schritt für Schritt auf denselben Stand. Das ist keine glamouröse Arbeit. Sie gehört zu den Dingen, die still im Hintergrund tragen, ähnlich wie ein solides Fundament, das niemand sieht und auf dem trotzdem alles steht.
Ein ruhiger Anfang statt einer Kampagne
Vielleicht klingt das alles nach viel. In der Praxis beginnt es klein: zwei oder drei Kundinnen um eine ehrliche Bewertung bitten, die wichtigsten Verzeichnisse deiner Branche prüfen, eine erste Anfrage für einen Gastbeitrag verschicken. Diese externe Ebene wächst langsam und genau darin liegt ihre Stärke. Wer sie über Monate aufbaut, besitzt etwas, das sich von der Konkurrenz nicht über Nacht kopieren lässt.
Wenn du wissen möchtest, wo du heute stehst und was die KI bereits über dich erzählt, schau dir meinen KI-Check an. Dort schauen wir gemeinsam und in Ruhe hin, welche Spuren du im Netz hinterlässt und welcher Schritt für dich als nächster sinnvoll ist.
